Siehe:

"Dem Herrn, deinem Gott, gehört alles:
der Himmel  
und aller Himmel Himmel,
die Erde und alles, was darauf ist."

 

Moment.

Dreimal „Himmel“ in einem Satz.
Mehr geht nicht.
Wolken türmen sich auf Wolken.
Farben stapeln sich auf Farben.
Blau auf Grau auf Rot.

 

Bei jedem Blick nach draußen
streift mein Blick den Himmel.
Ein Rezept gegen Platzangst.
Im Haus.
In Gedanken.
Und im Herzen.

 

In der Bibel ist der Himmel der Ort, an dem Gott wohnt.
Genauer gesagt:
der Himmel ist ein Bild für diesen Ort.
Vielleicht das brauchbarste Bild.
Weil der Himmel so weit ist.
„Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“
Quasi unendlich.

 

Größer als ich.
Weiter.
Offener.
Luftiger.
Stärker.
Gut zu wissen.

So soll es sein.

 

Siehe:

Dem Herrn, deinem Gott, gehört alles:
der Himmel
  und aller Himmel Himmel,
die Erde und alles, was darauf ist.

Die Bibelstelle: 5. Mose 10,14.
Im Inhaltsverzeichnis vorne zu finden.

Such das Buch im Alten Testament.
Schlag die Seite auf.
Blätter zum Kapitel, die fette 10.
Geh mit dem Finger zur kleinen 14.

Oder hier

Staub

Siehe: Dem Herrn, deinem Gott, gehört alles:
der Himmel
  und aller Himmel Himmel,
die Erde und alles, was darauf ist.

Was da noch steht, im selben Abschnitt, ein paar Verse weiter:
Er verhilft Waisen  und Witwenzu ihrem Recht.

G. wurde Witwe, erst vor wenigen Tagen.
Ihr Platz am Frühstückstisch fühlt sich falsch an.
Alles ist anders. Verrückt.
Ver-rückt. Auf ein anderes Gleis gesetzt.
Nicht zu fassen.

Wie im Himmel so auf Erden.
Komm und hilf.

Verwaiste Eltern.
Mein Gott

Vom Himmel zur Erde zur Tiefe.

 

Nicht von hier

Da steht noch mehr:

Er liebt die Fremden und versorgt sie mit Nahrung und Kleidung.
Darum sollt auch ihr die Ausländer lieben.
Denn ihr wart selber Fremde im Land Ägypten.

Was habe ich mit Ägypten zu tun?
Aber fremd war ich schon mal.
Auf dem Schulhof.
In der Beziehung.
Im falschen Film.

 

Was haben Witwen und Waisen und Fremde,
was haben du und ich
mit Gott und dem Himmel zu tun?

Mehr als wir denken.

 

Gebet

Gott, oft genug denken wir:
Du bist im Himmel,
weit weg von uns,
hoch über den Wolken.
Weit weg von uns
und unseren Angelegenheiten.
Weit weg von uns
und unseren Sorgen.

Doch du lässt dich nicht abschieben.
Du bleibst bei uns.

Unsere Erde ist deine Schöpfung.
Alles Leben ist ein Geschenk von dir.

Gott, du bist größer als das Weltall
und kleiner als ein Senfkorn.
Wo du bist, ist der Himmel –
im Himmel und auf Erden.

Amen.